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Taktik für fortgeschrittene Anfänger - Teil 3

In Teil 1 und Teil 2 haben wir bereits die Basics über die Raumdeckung erfahren. Wir wissen was es mit den Räumen bzw. Zonen auf sich hat und wir wissen auch, dass jeder Spieler für einen dieser Räume zuständig ist. Wir haben aber auch erfahren, dass Spieler nicht nur in „ihrer“ Zone verteidigen, sondern dass sie zusätzlich ihre Mitspieler in den angrenzenden Zonen unterstützen müssen. Nur so kann man den ballführenden Gegner unter Druck setzen und den Ball abnehmen. Wenn bei der Balleroberung zwei Akteure beteiligt sind, nennt man dies doppeln.

Damit man den Gegner doppeln kann, reicht es aber nicht aus, dass die Spieler auf horizontaler Ebene von einer Zone in die nächste verschieben. Denn so hätte der Spieler mit Ball immer noch die Option den Ball nach hinten zurück zu passen.
Um dies zu verhindern bzw. die Chance zur Balleroberung zu erhöhen, müssen neben den Abwehrspielern auch alle anderen Akteure mitarbeiten. Dies bedeutet, dass nominelle Stürmer und offensive Mittelfeldspieler ebenfalls nach hinten mitarbeiten müssen. Mit anderen Worten sie müssen den Raum nicht nur in der Breite sondern auch in der Tiefe verengen. Die meistbenutzte Formulierung hierfür ist: „Kompakt verteidigen.“

Das Team soll also eine Art Block bilden: Mit Hinblick auf die Länge des Spielfeldes müssen sie KURZ (Abstand zwischen Abwehr und Sturm von ca. 30m) und mit Hinblick auf die Breite des Spielfeldes ENG (Abstand zwischen dem am weitesten links stehenden und dem am weitesten rechts stehenden Athlet 30 bis 40m) agieren. Dies ermöglicht der gesamten Mannschaft „mit ein paar schnellen Schritten“ eine zahlenmäßige Überlegenheit in Ballnähe herzustellen, weil die einzelnen Spieler nur 8-10m von entfernt voneinander sind. Verändert sich die Position des Balles, müssen sich auch alle Verteidiger verschieben. Wie ein Spinnennetz soll die verteidigende Mannschaft kompakt stehen, so dass dem Gegner nichts anderes übrig bleibt, als den Ball abzugeben.

spiderweb.jpg maradonabel.jpg

Das erste Bild zeigt wie es nicht funktioniert, das zweite Bild zeigt eine kompakte Staffelung der verteidigenden Mannschaft. Eine Balleroberung ist wahrscheinlich.

zone-falsch.jpg zone-richtig.jpg

Dies ist der große Vorteil von der Raumdeckung gegenüber der klassischen Manndeckung (siehe hierzu auch Teil 1): Der ballführende Spieler hat das Gefühl gegen 11 Mann auf einmal zu spielen!

Für die eigenen Offensivbemühungen bedeutet dies logischerweise, dass man es dem Gegner schwer machen sollte, dass Spielfeld „kurz und eng“ zu halten. Dies geht nur, in dem das Team nach der Balleroberung das Spielfeld schnellstmöglich breit und tief (lang) machen muss. Ansonsten kann der Gegner den Ball genauso schnell wieder erkämpfen.

Kommen wir nun zu dem Begriff „Pressing“. Pressing bedeutet nicht anderes als ein taktische Verhalten einer gesamten Mannschaft um den Gegner ständig zu bedrängen. Mit Pressing will man dem Gegner den Ball abnehmen und verhindern, dass er in Ruhe irgendwelche Offensivgedanken entwickeln kann. Denn ein Spieler unter Druck wird zu Fehlern gezwungen. Was das o.g. Doppeln im kleinen Rahmen erfüllt, wird beim Pressing im gesamten Teamverbund erledigt. Doppeln ist dabei ein Eckpfeiler des Pressings.

Pressing ist folglich die gemeinsame, organisierte Bewegung der gesamten Mannschaft, die darauf abzielt, dem ballführenden Akteur den Raum zum „Atmen“ zu nehmen, ihn von seinen Mitspielern abzuschnüren und schließlich bis zum Ballverlust zu jagen.

Vorteile des Pressing sind:

-Da mit zehn Feldspielern nicht das gesamte Spielfeld engmaschig abgedeckt werden kann, wird durch das Pressing ein gewisser Raum verengt und das Feld insgesamt „begrenzt“.

-Ein enges Feld erschwert nicht nur dem ballführenden Spieler den Ball zu kontrollieren, sondern es schneidet ihm auch die Passwege zu seinen Mitspielern ab.

-Um den doppelnden Verteidigern zu entgehen, muss der Spieler in Ballbesitz oftmals von seiner geliebten oder gewohnten Position weg. Auch dies erleichtert die Balleroberung.

Aber beim Pressing muss man auch sehr clever sein. Es setzt nämlich eine optimale Organisation der gesamten Mannschaft voraus. Kommandos von hinten (Torwart, Verteidiger) sind notwendig, da diese Spieler das Spiel vor sich und den besten Überblick haben (übrigens eine der großen Stärken von Jens Lehmann). Man nennt dies auch „gegenseitiges coachen“, was nicht anderes bedeutet als dem Vordermann zu sagen, wo er hinrennen muss. Dies bedeutet auch, wenn ein Spieler unkonzentriert ist, entstehen Lücken im Abwehrnetz und der Gegner kann zu Toren kommen.
Sollte solch ein Fehler einmal passieren, ist es natürlich von Vorteil, wenn dies möglichst weit vom eigenen Tor entfernt passiert. Dann hätte man noch genug Zeit den Angriff zu verzögern bzw. komplett zu stoppen.

Pressing wird immer auf der starken Flanke (siehe Teil 2) gespielt, da dort das Doppeln leichter fällt. Ideal ist dies in der Nähe der Außenlinie, da diese den Gegner zusätzlich einengt. Spielt der Gegner den Ball zurück oder quer, macht auch die verteidigende Mannschaft einen Schritt nach vorne…

Das ganze System des Pressings funktioniert allerdings nur solange es die Abseitsregel gibt. Denn diese ermöglicht es der verteidigenden Mannschaft gegnerische Stürmer „ungedeckt“ zu lassen, solange sich diese in einer Abseitsstellung befinden. Allerdings heißt dies nicht, dass diese Stürmer nicht zur Gefahr werden können. Geschickte Stürmer laufen aus dem Abseits heraus um dann aus der Tiefe in den Rücken der Abwehr zu sprinten. Wenn dann der ballführende Spieler nicht genug unter Druck gesetzt wird, kann er mit einem langen Pass den o.g. Stürmer bedienen und dieser alleine auf den Torhüter zulaufen. Eine gute Abwehr antizipiert solche langen Flugbälle jedoch und entschärft sie mit einem Absetzen nach hinten.

Abschließend noch die drei häufigsten Varianten des Pressings (mit jeweiligem Bild), dass Abwehrpressing, das Mittelfeldpressing und das Angriffspressing (auch Forechecking genannt):

pressing-a.jpg   pressing-b.jpg   pressing-c.jpg

Ob ein Team Abwehr-, Mittelfeld- oder Angriffspressing spielt, hängt zunächst einmal von den eigenen Stärken aber natürlich auch von denen des Gegners (sowie seiner Schwächen) ab.

Der größte Vorteil des Forecheckings besteht darin, dass man den Ball in der Nähe des gegnerischen Tors erkämpfen kann. Somit ist es nicht mehr so weit bis zu einem möglichen Treffer.

Aber auch das Abwehrpressing kann sinnvoll sein, wenn man über schnelle Konterstürmer verfügt. Wie auch immer, es gibt unzählige Möglichkeiten und dies macht den Fußball ja auch zu unserem Liebling, oder?

Auf jeden Fall noch eine schöne Zeit bis zum nächsten Blog, wünscht Euch Euer Kruijff vom d11b-Team.

P.S. Wer sich mal einen Spaß mit seinen eigenen Mitspielern oder auch seinem Trainer erlauben will, kann ab und zu mal beim Pressing „Nimm Du den Gegner, ich hab ihn sicher“ rufen. Die Verwirrung ist groß und die eigene Freude, ob der genialen Chaostheorie, noch viel mehr.

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  1. thomas 29. März 2008, 13:00

    ich glaube, jetzt kann ich den trainerschein machen. super erklärstück. sollte sich jeder interessierte durchlesen. vg thomas

  2. Andre 9. Oktober 2008, 22:37

    Sehr gut zusammengefasst, was nicht leicht ist, wenn man ohne Fachbegriffe auskommen muss. Vielen Dank!

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