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11 für die Ewigkeit – Das Mittelalter

Wer glaubt heute noch, dass das ‘Wembley-Tor’ regulär war, wenn selbst der Torschütze daran zweifelt? Wer hat mit einem einzigen Tor die Kirchenglocken eines ganzen risiegen Landes zum Läuten gebracht? Wer schoß jemals das erste Tor in einem offiziellen Spiel? Es gibt natürlich unzählige Tore? Aber welche waren besonders grandios, kurios, famos oder bedeutungslos? Welche Tore waren gar tödlich?

In der dreiteiligen Blog-Serie ‘11 für die Ewigkeit’ werden alle diese Fragen beantwortet. Hier nun Teil 2:

Ein kleiner Dialog am Spielfeldrand, in einem Stadion auf einer kleinen Insel zwischen Europa und Amerika, war ausschlaggebend für eine der am längsten geführten Debatten überhaupt: War es ein Tor oder nicht?

Oder anders gefragt: Kennen Sie den Unterschied zwischen Theorie und Praxis? Denn eigentlich ist alles ganz einfach. Immerhin gibt es ja Regeln, die einem Menschen und ganz besonders den Schiedsrichtern unter uns, dass Leben erleichtern sollen. Also in der Theorie ist das auch ganz klar. Tor ist, wenn der Ball in seiner ganzen Pracht die Torlinie überschritten hat. In der Praxis ist das ebenfalls ziemlich einfach. Tor ist, wenn es der Unparteiische so entscheidet. Dies ist zumindest im Fußball so, seit dem 30. Juli 1966.

An diesem denkwürdigen Tag fiel nämlich das sogenannte Wembley-Tor. Aber was war denn nun tatsächlich geschehen? Was sagt denn der vermeintliche Torschütze Geoff Hurst dazu?

Er habe den Ball ‘wunderbar erwischt’, schrieb er später in seinem Buch “1966 And All That”. ‘Ich war gestürzt’, berichtet der Brite weiter, ‘und hatte vermutlich die schlechteste Sicht, als der Ball auf die Torlinie prallte.’ Auf die Torlinie? Und nicht dahinter? Ja was denn nun? Ein Glück gibt es für solche Momente doch Schiedsrichter. Tollerweise auch noch einen Schweizer namens Gottfried Dienst. Schweizer sind bekannt für ihre präzisen Qualitätsuhren, und wenn der Herr Unparteiische seine Arbeit so verrichtet wie er heißt, dann musste man sich als Fan der deutschen Mannschaft damals keine Sorgen machen. Pustekuchen. Dienst nahm seine Sache zwar sehr ernst, aber Schweizer sind eben nicht bekannt als Menschen mit Adleraugen. Kein Wunder, gibt es doch in der Schweiz alle 100m einen Berg, der einem die Sicht versperrt. Weitsicht ist da nur von Nachteil. Und Fielmann ist eben eine deutsche Erfindung. Sorgfältig war er jedoch schon, der Gottfried, und so machte er sich auf den Weg zu einem Assistenten. Der musste es doch einfach gesehen haben. Hatte er auch. ‘Was the ball behind the line?’, fragte Dienst den Linienrichter Tofik Bachramow aus Russland. Der nickte und bestätigte ‘Yes, behind the line’ und der WM-Titel war futsch. Das England dem umstrittenen 3:2 ein weiteres Tor hinzufügte ging dann später ziemich unter.

Hurst wurde 1998 zum Sir Geoff geadelt, obwohl er nach dem Studium von Fernseh-Wiederholungen zugab, ‘dass es so aussieht, als habe der Ball nicht die Linie überschritten.’ Dies bestätigte auch eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Oxford aus dem Jahre 1995.

Aber für solche Fälle gibt es ja den Fußballgott. Seitdem haben die Engländer nämlich mit ihrer Nationalmannschaft nichts mehr gewonnen. Und gegen die Deutschen gab es obendrein die bittersten Niederlagen bei internationalen Turnieren.

Unten das Wembley-Tor als Clip. Danach Helmers Phantomtor gegen Nürnberg als eine Art ‘Easteregg’, auch wenn Ostern schon vorbei ist.


Apropos Fußballgott. Wer ist das überhaupt. Und wurde sein Sohn auch irgendwo festgenagelt? Womöglich sogar an einem Torpfosten? Gibt es vielleicht sogar mehr als einen Fußballgott? So wie die Griechen sich auch nicht mit einem Gott begnügt haben?

Wenn es mehrere gibt, dann ist Pele mit Sicherheit einer von ihnen. Als der Brasilianer in seinem 909. Spiel am 19. November 1969 sein 1000. Tor erzielte, läuteten im ganzen Land die Kirchenglocken. Was für ein grandioses Spektakel, was für eine Ehre.

1281 Tore in 1363 Spielen soll Pele letztlich geschossen haben. Seinen Jubiläums-Tor, sein 1000. Tor, erzielte er ausgerechnet im legendären Maracan-Stadion in Rio de Janeiro gegen Vasco de Gama. Pele widmete es den ‘Kindern dieser Welt’ und die brasilianische Post machte daraus eine Marke, eine Art ‘Blaue Mauritius’ der Fußball-Briefmarken.

pelestamp.jpg

Schade nur, dass Peles 1000. Tor leider kein Kunststück sondern lediglich ein banaler Elfmeter war. Hier der Clip dazu:

Weniger banal und ganz und gar nicht profan (lat. profanus: ungeheiligt) sind die folgenden Tore eines anderen Fußballgottes:

Es gibt immer wieder mal Tage, an denen man glauben könnte, dass nicht Gott den Menschen, sondern vielmehr der Mensch Gott erschaffen hat. Ein solcher Tag war der 22. Juni 1986. Der Tag an dem das WM-Viertelfinale zwischen England und Diego Maradona stattfand. Es war der Tag an dem kleines dickes Diego erst die halbe Abwehr Englands ausdribbelte um ihn dann mit – ja was nun – ins Tor zu befördern. Viele – darunter auch der englische Keeper Peter Shilton – waren überzeugt, dass es sich um Handspiel gehandelt hat. Aber der tunesische Schiri Ali Ben Naceur war gottesfürchtig und gab den Treffer. Denn Maradona lieferte sogleich das Alibi, er betete zum Himmel, formte schließlich das Victory-Zeichen und sagte in einem Interview nach dem Spiel: ‘Das war die Hand Gottes.’ Hier der Clip dazu:

Alle lachten, nur die Engländer nicht. Dass den Engländern dennoch warm ums Herz wurde an diesem Tag, lag ebenfalls an Maradona. Denn ein wahrer Gott straft nicht nur, sondern erfreut den Menschen auch mit unbeschreiblich schönen Taten. Maradonas zweites Tor, ein göttlicher Slalom, vollbrachte diesen Zauber. Wie er die Engländer nur vier Minuten nach seinem ersten Geniestreich vernaschte, wie er Shilton und Co. mit einem Solo für die Ewigkeit sezierte, das war einfach nicht von dieser Welt. Nicht umsonst sagte bereits sein einstiger Trainer, der Fußball-Philosoph Cesar Luis Menotti, dass Maradona mit den Füßen Dinge erschaffen kann, die wir Sterblichen nicht einmal mit den Händen vollbringen können. Auch wenn dies natürlich nicht bedeutet, dass Götter ihre Hände nicht benutzen dürfen. Hier zumindest der Clip:

Mehr dazu im dritten Teil dieser Blog-Serie, der nächsten Dienstag online gestellt wird. Der Titel wird heißen: ‘11 für die Ewigkeit – Moderne und Zukunft’

Bis dahin eine göttliche Zeit, Euer Kruijff vom d11b-Team.

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  1. Jessie 8. Juli 2011, 19:13

    Unbelibveale how well-written and informative this was.

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