Shop Deutsche 11 Backstage Deutsche 11 Backstage

Im Shop: Werde Regisseur Deines eigenen Films - jetzt DVD holen!

NEUESTEN CLIP abonnieren
7.320 Aufrufe

Olé: Mit dem Kopf durch die Wand

Man muss nicht alles wissen.

Aber man sollte etwas können.

Frankfurter Hörspiel

Zugreisende und Herumtreiber können heutzutage am Frankfurter Hauptbahnhof Zeuge eines wegweisenden Hörspiels werden. Da es dieses Hörspiel sogar gratis gibt, macht das Bahn fahren in Zeiten, in denen Autofahrer sich im wöchentlichen Rhythmus an den Tankstellen der Republik mit neuen Preiswellen konfrontiert sehen, doppelt Spaß.

Damit aber alle, also nicht nur die Bahnfahrer, sondern auch die Autofahrer und die Fußgänger erfahren, worum es in diesem Hörspiel geht, gibt es diesen Blog.

Alles andere wäre aber auch nicht fair in einer Gesellschaft, in der Chancengleichheit eines der höchsten Güter ist. Dazu jedoch später mehr.

Hier nun das Hörspiel, wie es Passanten zu hören bekommen. Leider nicht als Mp3, sondern nur als Text, wie er aus den Lautsprechern dröhnt. Zunächst in deutscher Sprache:

Die S-Bahn S6 in Richtung Frankfurt Süd, planmäßige Abfahrt 14:57 Uhr, fährt ein auf Gleis einhunderteins.“

Und da Frankfurt eine internationale Stadt im Herzen Europas ist, gibt es gleich hintendran noch die englische Version:

‘Train S6, direction Frankfurt Sued, scheduled departure 14:57 o’clock, arrives on platform ‘einhunderteins.’

Wie bitte wo? Ja, Sie haben richtig gehört bzw. gelesen: „Einhunderteins“! Wie, Sie glauben nicht, dass ein anglophoner Erdenbewohner jetzt weiß, an welchem Gleis er stehen muß. Na gut, Sie sind da nicht allein.

Nur was hat das mit Fußball zu tun. Wo sind die Schnittpunkte mit dem nicht überraschenden Final-Scheitern der deutschen Nationalelf im Duell mit Spanien? Überall!

Alleskönner

Denn es gibt nichts, was ein Deutscher nicht kann. Alleskönner überall: im Büro nebenan, bei der Konkurrenz, auf der Fanmeile.

verwirrte-fans.jpg

Wenn man sie nur lassen würde, dann wäre alles wunderbar: der Klimawandel nicht mehr als ein ausgedehnter Altweibersommer, Hungersnöte beseitigt, die großen Weltprobleme schwupp, die wupp gelöst und Deutschland Europameister. Englisch ist dabei das kleinste Ding. Wenn nicht hilft Babelfish. Einhunderteins. Olé.

Glauben Sie nicht? Deutschland ist nicht Europameister geworden? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Hier kann doch jeder alles. Diese Grundhaltung wabert in Deutschland zumindest überall rum. So ein Gefühl von „Das kann ich auch“ oder eben „Wir können Fußballspielen, deswegen gewinnen wir auch die Euro“ kennt jeder. Aber ist dem tatsächlich so?

Es gibt hierzu eine schöne Illustration auf dem Cover eines Buches von Christian Saehrendt und Steen T. Kittl. Und da ein Bild bekanntlich mehr als einhunderteins Worte sagt, sehen Sie es hier:

kann-ich-auch.jpg

 Das stimmt so, und wenn es noch so sehr greint , das Männchen, es kann es nicht. Genau so wenig wie Sie. Genau so wenig wie unsere Nationalelf. Sonst hätten Sie es ja gemacht.

Was aber hat gefehlt? Analyse und Konsequenzen werden im Land der Dichter und Denker nicht lange auf sich warten lassen, nein damit lässt man sich keine Zeit:

Die Spanier waren uns technisch überlegen, heißt es allerorts. Die Lust und Kunst am Ball größer. „Kraft, Tempo oder Wucht“ nur eine Randerscheinung. Einhellige Schlußfolgerung: Trainieren wir eben mehr Technik. Denn trainieren das können wir (siehe auch den Blog ‘Ins Aus gedribbelt’).

Der Pimpf und der Stier

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das menschliche Gehirn von allen Organen den größten Batzen Energie verlangt. Im Durchschnitt zwischen 15 und 20 Watt. Das ist jedoch nicht viel, wenn man sich vorstellt, wie wenig eine handelsübliche 40 Wattbirne bei einem Defekt des Flutlichts im Dortmunder Westfalenstadion bewirken würde.

Die o.g. Schlußfolgerung ‘etwas Training und dann klappt es auch mit der Technik’, zeugt von mangelndem Energiefluß. Denn es war nicht die Technik allein, die unsere Jogis besiegt hat. Es war nämlich die brillante Technik der Spanier gepaart mit ebenjener Kraft, ebenjenem Tempo und ebenjener Wucht die so hell strahlte, dass es nicht nur Ballack dunkel vor den Augen wurde.

ballack-augen.jpg

Nirgendwo war dies besser zu sehen, als bei Fernando Torres’ Siegtreffer. Denn die ganze technische Großartigkeit der Pässe zuvor, wäre ohne den bullenartigen – olé – Antritt an Philipp Lahm vorbei, nicht zum Tragen gekommen (Clip durch Klick auf Foto).

torres-tor.jpg

Das Übel der Chancengleichheit

Jetzt werden wieder einige schreien „das war doch gemein, der kleine Philipp gegen den großen Stier.“

Genau dies ist aber das deutsche Problem. In Deutschland ist Chancengleichheit Religion. Ansich ist Chancengleichheit auch toll. Leider wird Chancengleichheit aber in Deutschland mißverstanden. Es bedeutet nämlich nicht, dass alle dasselbe können. Es bedeutet auch nicht, dass alle die gleichen Körpermerkmale in die Wiege gelegt bekommen. Bildlich gesprochen bedeutet es lediglich, dass jeder Teilnehmer eines 100-Meter-Sprints, die gleiche Strecke bewältigen muss. Keiner muß auf Pflastersteinen rennen, während der andere tempofördernden Gummibelag unter seinen Füßen hat. Das wäre unfair. Unfair ist es aber nicht, wenn Lahm gegen Torres spielen muß. Denn im Gegenzug hat auch keiner Arne Friedrich verboten, mit dem Ball so zu trainieren, wie Sergio Ramos. Beide sind nun Außenverteidiger. Beide sind körperlich sogar fast gleichgroß (Friedrich 1,85m und Ramos 1,83m). Ist das nicht die vielbeschworene Chancengleichheit, von der alle faseln? Gut, das Ergebnis ist eben unterschiedlich.

Das Friedrich aber so schlecht ist, ist eigentlich kein Wunder in einer Gesellschaft, in der Chancengleichheit mit Ergebnisgleichheit verwechselt wird. Überall in Deutschland wird gebremst und nivelliert, damit die Retardierten nicht aufheulen. In Arbeitszeugnissen steht demzufolge auch nicht „Herr X arbeitet schlecht“ sondern „Herr X war stets bemüht“. Wir wollen ja niemandem die Wahrheit sagen. Und auf jedem Fußballplatz werden junge Fußballer, die ihre Mitspieler talentiert umdribbeln, vom Trainer ermahnt und mit zwei Ballkontakten gegängelt. Man möchte die umspielten Gegner ja nicht kränken. Aber wie ergeht es dabei eigentlich einem solchen Könner: Er wird zu Arne Friedrich!!!

Ab durch die Mitte

Friedrich allein genügt aber nicht, um das Dilema des deutschen Fußballs zu verstehen. Es ist die ganze Spielmentalität die krankt! Wenn nur Christoph Metzelder den Spielmacher gibt und ständig in der gegnerischen Spielhälfte Traumpässe zu spielen versucht, dann stimmt etwas grundsätzliches nicht. Sollte er nicht eigentlich Tore verhindern? Das Problem ist, dass Podolski und Schweinsteiger gut für Einzelaktionen aber nicht für mehr sind, dass Ballack kein Spielgestalter ist (muss er auch nicht, er hat andere Weltklassequalitäten) und Hitzlsperger fußballerisch zu bieder ist. Ballstafetten sind da nur ausnahmsweise möglich, gehören aber nicht zur Spielphilosophie.

Ganz anders die Spanier. Sie haben mit David Silva, Cesc Fabregas, Xavi und Iniesta Spieler, die permanent anspielbar, ballsicher und passfreudig sind. Wenn dann einer von diesen einen schlechten Tag erwischt, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Es sind ja noch die anderen da. Cesc Fabregas hatte solch einen Tag im Finale, aber kaum einer hat es bemerkt. Wenn Ballack hingegen seine Normalform nicht erreicht, dann geht die ganze Mannschaft unter und ihm selbst wird wieder jegliche Klasse abgesprochen.

Ferner erzwingen sämtliche Spanier mit ihren Pässen in die Deckungszentren der jeweiligen gegnerischen Mannschaft immer wieder torgefährliche Situationen. Das ist eine Mentalitätsfrage. Ab durch die Mitte – olé. Ballack und Lahm trauen sich das, ihnen fehlen aber die Mitspieler dafür. Podolski wäre so ein Draufgänger, aber er müsste dazu angeleietet werden (Stichwort Wattbirne). Friedrich kann es nicht (s.o.) und Frings mag nicht. Dabei hat es doch so schön geklappt, als Lahm das dritte Tor gegen die Türken erzielt hat (Clip durch Klick auf Foto). Aber das ist eben nur die Ausnahme.

lahm-tor.jpg

Im Gegensatz zu den Spaniern gilt in Deutschland noch immer das Flügelspiel in Verbindung mit Flanken und Lufthoheit als das Nonplusultra um zum Torerfolg zu gelangen. Das Spiel durch die Mitte ist verpönt und wird bildlich gleichgesetzt mit dem Idioten, der mit dem Kopf durch die Wand möchte. Wenn man aber links und rechts an der Mauer nicht vorbeikommt, sollte man es vielleicht doch einmal durch die Mitte versuchen.

kopf-durch-wand.jpg

Faszinierend ist jedoch die Art und Weise wie die Spanier generell die Deutschen am Torschuss gehindert haben. Wer die Muse hat, kann sich hierfür die 180 Sekunden von der 80. bis zur 83. Minute des Euro 2008 Endpiels anschauen. Diese drei Minuten zeigen beispielhaft, warum Deutschland keine Chance hatte. Denn normalerweise geht man doch davon aus, dass die Deutschen bei nur noch so wenig Spielzeit und bei einem Rückstand (0:1) nichts unversucht lassen würden. Aber nicht einmal lange Bälle und Flanken auf die kopfballstarken Jungs waren zu sehen. Und warum? Weil die Spanier sich den Ball in der deutschen Hälfte kontrolliert zuspielten, ohne dass ein Deutscher überhaupt nur annähernd die Möglichkeit auf eine Balleroberung per Zweikampf hatte. Das ist eine Frage von Können. Olé.

Bis zum nächsten Mal. Wenn ich kann. Wann auch immer das sein mag, denn momentan sieht es eher düster aus. Mein Blog scheint nicht genügend Sponsoren anzulocken. Es hat mir trotzdem Spaß gemacht, Euer Kruijff vom d11b-Team.

P.S. Warum zuviel Energie im Fußballgehirn auch schädlich sein kann und warum wir hoffen, dass Cristiano Ronaldo weiterhin den breitbeinigen John Wayne mimt, erklärt dieser Link.

ronaldo-freistos.jpg

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
Bewertungen: 15
Loading ... Loading ...

Kommentar schreiben »

  1. Phil 2. Juli 2008, 21:26

    seh ich echt genau so…. gut dass das mal jemand sagt

  2. Pillenknick 2. Juli 2008, 23:14

    … leider bin ich kein Sponsor. Sonst würde ich mich sofort anlocken lassen. Wieder ein guter Blog :-)

  3. d11b team 3. Juli 2008, 06:30

    danke auch nochmal vom team an den blogautoren “kruijff”. sicher geht es nach eine kurzen verschnaufpause auch bald weiter. wir sind grosse fans deiner blogs. vg das d11b team

  4. Andreas 4. Juli 2008, 13:35

    Traurig, aber wahr dieser sehr gute Blog (!!), insbesondere die besagten 180 Sekunden von der 80. bis zu 83. Minute bringen den Nagel auf den Kopf. Eine Frage bleibt aber weiterhin unbeantwortet: Warum war das deutsche Team im EM-Finale so kraftlos? Der Kruijff vom d11b-Team sugeriert freilich, man solle es vielleicht auch mal durch die Mitte probieren, so wie die Spanier. Tja, ich weiß nicht, wenn man nur in die Fußstapfen eines anderen tritt, dann überholt man ihn nicht. Wir müssen schon unseren eigenen Weg gehen, am besten einen neuen …

  5. patrick 27. Juli 2008, 13:40

    ich finde das die spanier gut gespielt haben aber ich bin ein italenischer fan

  6. Guntis 17. Januar 2009, 09:48

    Super, echt.
    Das musste echt mal gesagt werden ;)
    Das ist halt die deutsche Mentaltät.

    Wenn man den Blog irgendwie, halt größer, also dass er mehr Präsenz bekommt, gestalten könnte, und dann solche Beiträge dabei sind, wär das sicherlich keine große Sache einen Sponsoren zu finden.

    Ich bin schon länger bei d11b.de unterwegs, hab den Blog aber nie gesehen…

    mfg

  7. occasion dresses uk 14. Dezember 2013, 22:34

    Great goods from you, man. 301 Moved Permanently I have understand your stuff previous to and you’re just extremely wonderful. I really like what you’ve acquired here, certainly like what you are stating and the way in which you say it. You make it entertaining and you still take care of to keep it smart. I can’t wait to read much more from you. This is really a tremendous 301 Moved Permanently informations.

  8. michael kors watches womens 20. März 2014, 20:22

    There is also one other method to increase traffic in support of your webpage Olé: Mit dem Kopf durch die Wand | Deutsche 11 Backstage that is link exchange, therefore you also try it
    michael kors watches womens http://www.alwerdtsgardens.com/data/chea pmichaelkorsoutlet.php

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. Trackback-URL

Einen Kommentar schreiben
« Elementarteilchen Rund ums runde Leder »

Wir über uns   |   Kontakt   |   Impressum   |   Datenschutz